CO2 – Einige Faustregeln
Veröffentlicht am: 21. Dezember 2021

Liebe alle,

im Moment ist das Thema Klimaschutz, Net Zero, Energiewende – oder wie auch immer man es nennen will, in aller Munde. CO2 ist das neue Rauchen.
Mir ging es bis vor kurzem so, dass ich das Thema total abstrakt und schwer greifbar fand. Ist es irgendwie immer noch, aber ich nähere mich langsam dem Gefühl, es irgendwie in einen Bezug setzen zu können. Man braucht ja ab und zu einen Vergleich oder ein paar konkrete Zahlen, um Dinge bewerten zu können.

Diese – sehr einfachen – Faustregeln will ich Ihnen hier mal mit auf den Weg geben. Hat alles weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf absolute wissenschaftliche Perfektion, aber es könnte vielleicht auch Ihnen helfen.

Frage: Wie groß ist das Problem, das wir lösen wollen?

Antwort: Der CO2-Ausstoß der Welt ist ungefähr 50 Milliarden Tonnen pro Jahr, Tendenz steigend. Diese wollen wir in den nächsten 29 Jahren auf null reduzieren. Das ist die Kurzfassung des Pariser Klimaabkommens.

Frage: Wie viel CO2 emittiere ich selbst?

Antwort: Der Durchschnittsmensch in Deutschland emittiert 7,9 Tonnen pro Jahr. Dieser Wert beinhaltet Ihre persönlichen Emissionen und einen Anteil an allgemeinen Emissionen, auf die Sie keinen direkten Einfluss haben (z.B. öffentliche Gebäude, Industrie etc.). Weltweit ist der Durchschnitt bei knapp 5 Tonnen pro Jahr. Die höchsten Pro-Kopf-Emissionen hat Katar mit rund 30 Tonnen pro Jahr, ein Mensch in Äthiopien emittiert pro Jahr ca. 0,15 Tonnen. China emittiert als Land am meisten, rund 30% der weltweiten CO2-Emissionen kommen von dort (allerdings erst seit kurzem, historisch liegt die größte Verantwortung in Europa und den USA).

Frage: Wie viel emittiere ich durch Autofahren?

Antwort: Ein VW Golf hat eine CO2-Emission von ca. 140 g/km (ja, ich weiß: je nach Motorisierung, Fahrstil, Strecke etc.). Bei 12.000 km im Jahr sind das also 1,7 Tonnen. Mit Ihrem Porsche Cayenne Superturboplus liegen Sie deutlich drüber, falls Sie Kia Picanto fahren liegen Sie drunter.

Frage: Sind Elektroautos besser bzgl. CO2?

Antwort: Ein mittelgroßes Elektroauto (z.B. Tesla Model 3, VW ID3 etc.) verbraucht rund 16 kWh/100km. Der Strommix in Deutschland verursacht ca. 370 Gramm CO2 pro kWh. Somit sind die Emissionen knapp 60 g/km, also weniger als die Hälfte eines Benziners oder Diesels. Wenn Sie den Netzstrom in Polen kaufen, ist der Wert deutlich höher aufgrund des hohen Anteils an Kohlestrom, in Frankreich (Nuklear) oder Norwegen (Wasserkraft) ist er deutlich niedriger. Wenn Sie von Ihrer heimischen PV-Anlage laden, betragen die CO2-Emissionen laut Berechnungen des Fraunhofer ISE 50-60 g/kWh. Somit sind die Emissionen unter 10 g/km.

Frage: Wie viele Emissionen verursacht Fliegen?

Antwort: Nach Angaben der ICAO verursacht ein Flug von Frankfurt nach Mallorca und zurück CO2-Emissionen von 236 kg pro Person, nach New York und zurück gut 700 kg pro Person in der Economy Class.

Frage: Was kostet das alles?

Antwort: Aktuell ist die Atmosphäre eine kostenfreie Mülldeponie. Dass das nicht zukunftsfähig ist und wir uns selbst ausrotten durch den Anstieg des Meeresspiegels, das Artensterben z.B. der Korallen etc., haben viele mittlerweile erkannt. Auch dass es Geld kostet, Städte wie Jakarta, New York oder Hamburg neu aufzubauen im Landesinneren, ist mittlerweile durchgedrungen. Das deutsche Umweltbundesamt schätzt die Umweltfolgekosten pro Tonne CO2 auf 180 Euro. Der aktuelle offizielle CO2-Preis in Deutschland ist 25 Euro pro Tonne. Der tatsächliche Handelspreis lag in den letzten Monaten deutlich drüber. Schweden ist aktuell der europäische Spitzenreiter mit rund 130 Euro pro Tonne.

Frage: Und was bedeutet das für Lieschen Müller und mich?

Antwort: Rechnen Sie es sich aus:
All inclusive heute: 7,9 Tonnen/Jahr * 25 Euro/Tonne = 200 Euro pro Jahr
All inclusive zukünftig: 7,9 Tonnen/Jahr * 180 Euro/Tonne = 1.400 Euro pro Jahr
Autofahren mit dem guten alten Golf: 1,7 Tonnen/Jahr * 25 Euro/Tonne = 42,50 Euro/Jahr (in den 200 Euro inbegriffen)
Urlaubsflug nach Mallorca und zurück: 0,24 Tonnen * 25 Euro/Tonne = 6 Euro
 
So, meine Damen und Herren, ich habe mal eine Frage an Sie: Wo ist jetzt eigentlich das Problem? Man mag es mir als Arroganz eines reichen Schnösels auslegen, aber ich sage es jetzt trotzdem: Wenn ich mir die zusätzlichen 6 Euro für den Flug nach Malle nicht leisten kann, sollte ich zu Hause bleiben. Für das Geld trinke ich dort eine Sangria. Und auf die verzichte ich dann halt. Oder ich trinke zwei Bier weniger. Oder ich lege mich einmal pro Woche mit Handtuch an den Strand, statt einen Liegestuhl zu mieten. Dann habe ich das Doppelte gespart. Und auch beim Auto: Wenn meine individuelle Mobilität pro Jahr 42 Euro teurer wird (das sind Dreifuffzig pro Monat) – merke ich das wirklich? Ich meine nicht als Geschäftsführer. Als Normalverdiener. Drei Euro fünfzig Cent pro Monat? Ja, ich weiß, es gibt Familien, die müssen sehr eng kalkulieren. Ja, für die müssen wir eine Lösung finden. Ich bezahle gerne 7 Euro. Egal. Aber warum hören wir nicht endlich auf, dieses abstrakte Thema CO2-Steuer zu verteufeln?

Oder noch besser: Könnte es sein, dass der Staat über die Kraftstoffsteuer ohnehin schon genug Geld einnimmt und davon einen Teil – sagen wir mal € 3,50 pro Person und Monat – für Klimaschutz einsetzt?

Wie auch immer: Worüber reden wir eigentlich? Es kann doch nicht sein, dass die 200 Euro pro Jahr ein unlösbares Problem sind. Allein der Nachtragshaushalt für 2021 war mit gut 60 Milliarden vier Mal höher, und die Neuverschuldung der Bundesrepublik Deutschland für 2021 war mit 240 Milliarden 15 Mal höher. Das hat Herr Scholz mal so eben möglich gemacht.

Ich verstehe mal wieder die Welt nicht. Vielleicht verstehen Sie sie ja. Dann lassen Sie es mich bitte wissen.

Gruß
David Wenger

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